Social-Trading-Plattformen: Wenn Laien zu Tradern werden

Social-Trading

Social-Trading-Plattformen erlauben Laien, an der Börse zu spekulieren.Immer mehr Österreicher sehen sich nach alternativen Formen der Geldanlage und Finanzierung um. Aufgrund niedriger Sparzinsen wird beispielsweise vermehrt in attraktive Immobilien oder eine Lebensversicherung investiert. Auch ein traditioneller Kredit Österreich kann heute mit Hilfe von Crowdfunding-Modellen umgangen werden. Wer sich in der Finanzwelt etwas besser auskennt und sich den einen oder anderen Euro dazuverdienen möchte, steckt sein Geld unterdessen nicht selten in Aktien. Damit auch Laien verstärkt von dieser Option profitieren können, wurde vor drei Jahren die österreichische Social-Trading-Plattform Wikifolio gegründet.

Auf Wikifolio kann jeder zum Trader werden und ein eigenes Portfolio eröffnen. Treffen bestimmte Kriterien zu, erhält das Portfolio eine ISIN – einen zwölfstelligen Identifikationscode für Wertpapiere. Ist dies geschehen, kann das Portfolio offiziell an der Stuttgarter Börse gehandelt werden. Das heißt, dass private Investoren ab jetzt in das jeweilige Portfolio investieren können. Ein Privatinvestor muss eine sogenannte Performancegebühr zahlen, die rund 5 bis 10 Prozent des Gewinns entspricht. Davon geht die eine Hälfte an Wikifolio und die andere an denjenigen, der das Portfolio zusammengestellt hat. Im Normalfall wirft das für den Ersteller des Portfolios zwar unter 1.000 Euro im Monat ab, weshalb Trading bei Wikifolio nicht als einzige Erwerbsquelle dienen kann, doch kann es einen guten Nebenverdienst darstellen. Rund 10.000 Wikifolios wurden bereits angelegt, wovon es etwa 30 Prozent an die Börse geschafft haben. Insgesamt flossen seit der Gründung von Wikifolio im Jahr 2012 rund 420 Millionen Euro.

Social-Trading-Plattformen wie Wikifolio finden zahlreiche Anhänger. Die Hauptzielgruppe sind dabei Männer im Alter von 30 bis 40 Jahren, die ihre Finanzen gerne selbst in die Hand nehmen, statt auf attraktive Anlagezinsen oder günstige Kreditzinsen zu hoffen. Finanzexperten hingegen stehen dem Trend eher skeptisch gegenüber und geben zu bedenken, dass Laien die Folgen von unüberlegtem Trading häufig nicht richtig einschätzen können. Nicht selten wird das Konzept daher mit Online-Spielbanken verglichen. Eine Studie des Massachusetts Institutes of Technology (MIT) bestärkt dies: Eine Untersuchung des Social-Trading-Portals eToro ergab, dass sich 84 Prozent der Deals letztlich als Verlustgeschäfte erwiesen und nur wenige Trader tatsächlich Gewinn erwirtschaften konnten. Auch die Bank Austria rät von Börsenspekulationen bei Social-Trading-Plattformen ab und verweist darauf, dass Banken aktuell sehr streng reguliert sind, gerade um das Risiko für Anleger und Kreditnehmer möglichst gering zu halten. Im Social Trading ist man auf sich allein gestellt und muss sich dementsprechend auch mit dem Risiko vertraut machen, das aufgrund der mangelnden Einschränkungen besteht.